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Sportliche Törns im Gezeitenrevier

Anspruchsvolle Nordsee - Lichtermeer bei Nacht: SE 6, rechtdrehend, langsam zunehmend 7: Das ist unser Wetter für die Deutsche Bucht. Das Tief liegt bei Irland und zieht zum Skagerrak. Als Folge dreht der Wind weiter recht und wird stürmisch aus SW bis West auffrischen. 
Für unsere First 47.7 geht dann nichts mehr. Noch bleibt ein Zeitfenster von 24 Stunden und wir sind in Vlieland. Wir müssen auslaufen. Mit dem Abendhochwasser verlassen wir Cuxhaven. Segel werden gesetzt. Unter zweifach gerefftem Groß und mit der kleinen Fock 1 schießt die First 47.7 ins Fahrwasser. An Steuerbord leuchten die roten Tonnen: Blitz rot ist die Kennung der nächsten, Funkel rot ist die Kennung der Übernächsten. Die Tonnen gilt es nicht zu verwechseln oder wir treffen die Sandbank. Schnell sind wir jetzt, - mit 12 Knoten über Grund, denn mächtig schiebt der Strom. 

 

 
Schnell muss unser Navigator sein: Sicher sind Tonnen, Leuchtfeuer und Schiffe zu identifizieren. Für das Nachschlagen in der KVR bleibt keine Zeit. Schon nähert sich auf unserer Seite ein Frachter mit drei roten Rundumlichtern übereinander. Kurze Zeit später sehen wir ein langsames Fahrzeug, das nicht dem Fahrwasser folgt und dessen Kurslinie die unsere kreuzt: Weiß über rot zeigt der. Auch wir queren bereits unter Segel ohne laufende Maschine: Wer ist der Ausweichpflichtige, wer ist der Kurshalter? 
Unser Skipper weiß Bescheid und andere Crewmitglieder lernen schnell, fasziniert von den vielen Lichtern in der Elbmündung. Den Kurs wählen wir dicht nördlich der Friesischen Inseln in der Inshore Traffic Zone. Hier wird die Nacht zum unvergesslichen Erlebnis. 
Relativ warmer und starker SSE bedeutet: Ablandiger Wind, geringer Seegang, Rumpfgeschwindigkeit bei mäßiger Krängung. Das sind 8,5 Knoten Fahrt durchs Wasser. An Backbord zählen wir die verschiedenen Kennungen der vor den Sänden stehenden Gefahrentonnen und der Inselleuchttürme. An Steuerbord leuchten die grünen Tonnen des Verkehrstrennungsgebietes Deutsche Bucht und nördlich davon ziehen die Frachter in oft dichten Pulks Richtung Weser und Elbe. Uns begegnen weitere Fahrzeuge und zeigen Grün über Weiß. 
Die Nordsee wird zum Lichtermeer. Es bleibt spannend.

Anspruchsvolles Hochseerevier: Die See kocht, vor dem starken SW-Wind steuern wir in den Solent. Steuerbord passieren wir die Needles. Noch läuft der Strom gegenan, aber schon in einer Stunde wird es uns in die Inshore Waters hereinlutschen, die See wird sich glätten und heute Abend liegt unsere Yacht am Schwimmsteg im kleinen Hafenstädtchen Cowes und wir müssen im Pub zwischen rund einem Dutzend Biersorten wählen. Gezeitenstromatlas und Gezeitentafel werden gewälzt. Die Törnplanung hängt nicht nur am Wetter. Nachttörns und Nachtansteuerung von Häfen sind die logische Konsequenz aus dem Daten-Puzzle. Die See fordert uns! Dichter Schiffsverkehr zwingt uns bei Tag und Nacht zu höchster Aufmerksamkeit. Die terrestrische Navigation unter Berücksichtigung starker Gezeitenströme ist spannend und umfangreich. Die Nachtwache ist zudem mit der Identifizierung der vielen Lichter beschäftigt. Wetterberichte werden aufgenommen und ausgewertet. Übrigens: Dartmouth ist einer der schönsten Häfen der Welt in absolut idyllischer Lage mit einer hervorragenden Fünf-Sterne-Marina. Die Schwierigkeiten des Reviers fordern alles seemännische und nautische Können der Crew.

Biskaya - Mythos und Wirklichkeit. Eine Querung der berüchtigten Biskaya ist ein Muss für jeden ambitionierten Blauwassersegler. Majestätisch rollen die langen Wellen heran. In den Weiten des Atlantiks formte das starke und ausgedehnte Windfeld das Meer. Auf den Wellenbergen bricht der Wind die See. Gischt löst sich, glitzert in der Sonne und wäscht ab und an unser Deck.
Treffen solche Wellensysteme auf den Küstenschelf, brechen sie, wenn die Wassertiefe flacher als die halbe Wellenlänge ist. Beträgt die Wellenlänge 150 Meter wird es bereits ab 75 Meter Wassertiefe ungemütlich. Und bei Sturm wird es gefährlich: Steiler auf breiter Front brechender Seegang birgt die Gefahr des Querschlagens. Deswegen segeln wir über die Bucht weit draußen in tiefem Wasser. Das ist zudem der kürzeste Weg zwischen Quessant und La Coruna.
Der Mythos von der Gefährlichkeit der Bucht von Biskaya basiert auch noch auf einem zweiten Problem. Oft ziehen Tiefdruckgebiete entlang einer klassischen Bahn nördlich der Biskaya über die Irische See und England. Beim Durchzug der dazugehörenden Kaltfront dreht der Wind schnell recht und Kreuzseen türmen sich auf. Im Sturm entstehen dann gefährliche Wellenungetüme. Besser wir starten mit der Biskayüberquerung nach dem Durchgang der Front bei starkem NW. Und wir planen den besten Zeitpunkt mit Hilfe des immer besser werdenden mittelfristigen Wetterberichtes.
Im Zweifelsfall bringt eine Wetterberatung durch das Hamburger Büro vom SKIPPERTEAM einen großen Vorteil: Jochen oder Andreas diskutieren mit dem Seewetteramt die Wetterlage. Verschiedene Prognosemodelle werden dort verglichen. Die Auskunft des diensthabenden Meteorologen: "Die Engländer sagen nicht so viel Wind voraus und ich kann auch nur für kurze Zeit nach unserem Modell eine 8 sehen. Mehr wird es auf keinen Fall, eher weniger und die Windrichtung ist eher nördlicher als NW."
Also geht's los! Wir laufen aus. Kurs 210 Grad. Da passt der starke NW super. Wir verlassen Dartmouth an der englischen Südküste, einen der schönsten Häfen, die wir kennen.
Nach ca. drei Tagen taucht die weit sichtbare hügelige spanische Küste auf. Nachts weisen starke Leuchtfeuer den Weg. Torre de Hercules steht am Eingang der Ria de La Coruna und ist gleichzeitig ein Wahrzeichen der Stadt. Von der Marina führt ein sehr kurzer Fußmarsch zum autofreien Plaza de Espana. Umgeben von ehrwürdigen alten Häusern mit den für Galizien typischen verglasten Terrassen, sitzen wir in der noch warmen Abendsonne und wissen, was wir geleistet haben.

Unser Segelwetter in der Nordsee - Englischem Kanal - Biskaya - Atlantik: Auch bei diesen Törns ist die Wetternavigation ein entscheidender Faktor bei der Törnplanung. Wetterfenster müssen genutzt werden. Wind von vorne gilt es zu meiden, Wind aus der richtigen Richtung gilt es zu nutzen. Das bedeutet Meilen machen, wenn es geht, Tag und Nacht durchsegeln, wenn es Sinn macht. Die angegebenen Zwischenhäfen sind daher nur eine mögliche Route. Wetterabhängig wird die geändert. Kein Problem, denn es gibt sehr, sehr viele weitere lohnende Stopps. Bei der Planung der Zeiträume für die einzelnen Törns sind Reserven berücksichtigt. Nur ganz selten reichen diese Reserven nicht aus und dann bezahlt Schoenicke SKIPPERTEAM die erhöhten Rückreisekosten!