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Hallo liebes Team, Anke, Arild, Andreas und Jochen,

ich war vor 14 Tagen mit der Spirit unterwegs nach Oostende. Es war ein Törn, genau so wie ich es mir vorgestellt hatte. Anstrengend – aber schön. Mir tut heute noch mein A.... weh, ich bin drei Mal aus der Navi-Ecke geflogen.

Den Bericht hab ich an alle Mitsegler und den Skipper verschickt. Keiner hat widersprochen, es muss also so abgelaufen sein.... 

Nur eine Anmerkung – bitte navigiert immer nebenher noch nach Karte. GPS und AIS (war wirklich gut) nur als Backup.

Vielen Dank nochmals
Und immer eine Handbreit...
Joachim

Überführungstörn Hamburg – Ostende
Schiffsdaten:
Technische Daten:
Typ/Modell
Beneteau Oceanis 473
Segelfläche
114 m²
Name
SPIRIT
Motor
75 PS Yanmar
Länge
14,5 m
Diesel
240 l
Breite
4,3 m
Wasser
825 l
Tiefgang
2,1 m
Ausrüstung:
Segel
Durchgelattetes Großsegel mit 3 Reffs, Rollgenua, Rollfock, Spibaum
Navigation
GPS, Farbradar, Autopilot, Barograph, Kartenplotter, aktives AIS, Logge, Echolot, Windmessan-lage, 2x Kompass Cockpit, Handpeilkompass, Fernglas, Navigationsbesteck, Papierseekarten
Funk
UKW mit DSC / GMDSS, Handfunkgerät, Funk-Außenlautsprecher
Sicherheitsaus-rüstung
8 Automatikrettungswesten mit Lifebelt + Notlicht und Lifeline, Rettungsinsel für 8 Personen, Ret-tungskragen mit Treibanker und Schwimmlampe, Rettungskragen mit 100m Schwimmleine, MOB-Markierungsboje mit Fahne und Lampe, Seenotsignale (Raketen, Handfackeln), Seenotfunkbake (EPIRB), Radartransponter (SART), Sorgleinen und zusätzliche Einpickpunkte, Erste-Hilfe Kasten und Bordapotheke
Audio
MP3-CD-Radio mit USB, AUX und Bluetooth, Lautsprecher innen und außen
Besonderheiten
Sprayhood, Bimini, Lazy-Bag, Kopfkissen, Wolldecken, Teak im Cockpit, großer Cockpittisch, Inver-ter und USB-Steckdose um Laden von Handys etc., Heckdusche, Badeleiter an großer Badeplatt-form (für uns sehr unwichtig), umfangreiches Werkzeug, 2 Anker, elektr. Ankerwinsch mit 60 m Kette
© Joachim Vogt, 30.07.2017 Seite 2
1. Tag – Samstag, 22.07.2017
Aus (fast) allen Himmelsrichtungen wird angereist. Die SPIRIT liegt direkt vor der Elbphilharmonie. Der Skipper er-wartet uns bereits. Als Alle eingetroffen sind, werden die Kojen verteilt. Nach einer kurzen Vorstellung wird eine Einkaufsliste erstellt und alle gehen zu einem kleinen Su-permarkt in der Nähe. Mit drei Einkaufswagen voller Pro-viant laufen wir zurück zum Schiff. Als die Vorräte ver-staut sind geht es zum Essen. Nach einem Begrüßungs-drink an Bord geht es dann in die Koje. Was noch keiner ahnt, es wird die vorerst letzte Nacht, in der alle ausschla-fen (?) können.
2. Tag – Sonntag, 23.07.2017
Um 0445 geht es los – der Gezeiten wegen. Bei diesigem, fast nebligen Wetter starten wir in Richtung Cuxhaven elbabwärts. Leider fehlt der Wind, so dass wir bis Brunsbüttel unter Maschine laufen. Ein kurzer Stopp bedingt durch die Tide in Brunsbüttel, das heißt durch die Schleuse von Nord-Ostsee-Kanal in den Sportboothafen Brunsbüttel. Bei Nieselregen ein Fischbrötchen, ein kurzer Gang auf die Schleusenmauer und mit einem raketenartigen Start über die Schleuse zurück auf die Elbe.
© Joachim Vogt, 30.07.2017 Seite 3
Endlich Wind, wir können die Segel setzen. Es geht weiter in Richtung Cuxhaven. Über Funk bekommen wir mit, dass auf der Elbe eine leblose Person gesichtet wurde. Später erfahren wir, ebenfalls über Funk, dass diese Person tot geborgen wurde.
So ganz nebenbei begleiten uns kurzfristig zwei Schweinswale auf der Elbe. Am Abend erreichen wir Cuxhaven und gehen in die Marina hinter dem Amerikakai. Es ist ein netter Hafen mit sehr guten sanitären Anlagen – im isländische Konsulat. Abends wird an Bord gekocht – es gibt Risotto mit Hähnchenteilen. Danach ab in die Koje.
© Joachim Vogt, 30.07.2017 Seite 4
3. Tag – Montag, 24.07.2017
Nach einer kurzen Nacht geht es um 0345 los in Richtung Helgoland. Über die Elbe bei Dunkelheit an der Kugelbake vorbei in Richtung Tonne 6. Zu unserer Überraschung sehen wir diesmal vier Schweinswale auf der Elbe. Ab Tonne 12 sehen wir bereits das Leuchtfeuer des Leuchtturms auf Helgoland. An der Tonne 6 verlassen wir das Fahrwasser und gehen hinaus auf die Nordsee. Uns überholt unser Schwesterschiff, das auf dem Weg von Hamburg nach Bergen ebenfalls auf Helgoland einen Zwischenstop ein-legt.
Kurz vor Helgo-land begrüßt uns eine Kegelrobbe. Einfahrt in den Schutzhafen, fest-machen im Päck-chen, „Anschiss“ vom Hafenmeis-ter – wir sind zu lang und damit zu schwer für diesen Platz. Da wir eh tanken wollen (1 Liter Diesel für 89 Cent) fahren wir dort hin und tanken. Ganz brav beziehen wir den uns zugewiesenen Liegeplatz.
Kurzer Rundgang durch den Ort bevor die Tagesgäste kommen und danach ab auf die Düne. Wir beobachten die Kegelrobben und trinken im Dünencafe noch etwas. Dann zurück auf die Insel und zum Schiff. Am Abend dann das meditative Wandern auf dem Oberland mit der Besteigung des Pinneberges und weiter zum Lummenfelsen mit den Schnappschüssen von den Basstölpeln.
Nach dem Rundgang entdecken wir im Oberland ein nettes Restaurant. Obwohl die Küche schon fast zu ist werden wir noch bedient. Anschließend gehen wir gemütlich zum Schiff zurück und lassen einen ereignisreichen Tag aus-klingen.
© Joachim Vogt, 30.07.2017 Seite 5
4. Tag – Dienstag, 25.07.2017
Wir ahnen beim Auslaufen um 0745 noch nicht, dass es die letzte Nacht war, in der wir länger schlafen können. Vor dem Südhafen setzen wir endlich die Segel und auf geht es in Richtung Borkum. Als wir „Elbe Approach Reede“ passieren, ziehen von Nordwesten dunkle Wolken auf. Wir hatten ja, nur zur Übung, das Großsegel schon im ersten Reff. Jetzt entscheiden wir ins dritte Reff zu gehen. Keine Minute zu spät, denn kaum sind wir mit dem Manöver fertig, schüttet es und es wird sehr böig.
An diesem Tag liegt die durchschnittliche Windgeschwindigkeit bei 25 Knoten (6 Bft.) aus Nordwest mit Böen bis 36 Knoten, die entspricht 8 Bft. Es bleibt heute bei kurzen Schauern.
Nach einiger Zeit passieren wir die Reede „Neue Weser N-Reede“, in der einige Schiffe vor Anker liegen. Jetzt biegen wir ab in die Küstenverkehrszone. Weiter geht es entlang an den ostfriesischen Inseln bis Borkum. Am späten Nach-mittag biegen wir vor der „Geldsackplate“ in Riffgat ein. Kurz vor dem Emsfahrwasser werden die Segel geborgen. Nach der Fischerbalje fah-ren in den Schutzhafen Borkum ein und legen uns gegen 2200 ins Päck-chen. Diesmal haben wir keinen netten Nachbarn. Ein Holländer, der uns zu-erst darauf hinweist, dass nur drei Schiffe im Päck-chen liegen dürfen laut Hafenmeister - warum hatte er dann die Fender draußen? Dann sind ihm die Leinen nicht richtig angebracht - und so weiter.
Aber erst einmal Abendessen – Nudeln mit Thunfisch und Kapern in Tomatensauce. Anschließend schauen wir uns die Gezeiten und den Gezeitenstrom auf der Ems für den nächsten Tag und entscheiden um 0300 auszulaufen. Noch ein Bier – das letzte für die nächsten drei Tage (wir wissen es nur noch nicht).
© Joachim Vogt, 30.07.2017 Seite 6
5. Tag – Mittwoch, 26.07.2017
Um 0345 verlassen wir den Schutzhafen und somit auch den äußerst unfreundlichen Holländer. Es ist dunkel und die Betonnung im Fahrwasser ist bis auf die Tonne 7 nicht befeuert. Im Fahrwasser der Ems begegnen wir etlichen Schiffen, Tenderbooten zum Windpark und zur Bohrinsel vor Borkum sowie einigen Frachtern. Nach dem Sonnen-aufgang wird die Genua gesetzt und wir segeln im Fahrwasser. In Höhe der Ansteuerungstonne „Westerems“ wird das Groß im ersten Reff gesetzt.
Der Wind lässt nach, wir müssen ausreffen. Später schläft der Wind ein und wir fahren unter Maschine an den westfriesischen Inseln Schiermonnikoog, Ameland und Terschelling weiter unseren Ziel Scheveningen (geplante An-kunft morgen Mittag) entgegen. Bevor es mit der Nachtwache losgeht, gibt es Bratkartoffeln mit Speck.
Kaum sind wir mit Essen fertig nimmt der Wind zu und wir segeln in die Nacht – nicht die letzte Nachtfahrt. Unser Wachsystem ist rollierend – jeweils zwei Personen, wobei in der Mitte der Wache eine Person abgelöst wird.
Der Wetterbericht für die nächsten zwölf Stunden kündigt Wind mit 5 - 6 Bft. aus SW an. Kein Stopp in Schevenin-gen, wir fahren durch bis Oostende. Bedeutet für uns zwei Nachtfahrten, zwei Mal Sonnenaufgang auf See.
Wir hatten vor, die Pfandflaschen in Borkum zu entsorgen und neue Vorräte zu kaufen. Durch die späte Ankunft und frühe Abfahrt war dies nicht möglich. Jetzt gibt es keine Möglichkeit mehr, unsere Vorräte aufzufüllen. Wir sollten jedoch bei einer geschätzten Ankunft am frühen Freitagmorgen mit unseren Vorräten hinkom-men.
Bevor es dunkel nimmt der Wind zu, wir gehen mit dem Groß ins dritte Reff und reffen auch die Genua. Die Windgeschwindigkeit pendelt in der Nacht zwi-schen 25 und 38 Knoten aus SW, geschätzte Wellen-höhe 2,5 m. Vor Vlieland kreuzen wir vor einer Bohr-insel.
© Joachim Vogt, 30.07.2017 Seite 7
6. Tag – Donnerstag, 27.07.2017
Wir passieren Texel. So gegen 0400 reißt das Groß. Jetzt ist Scheveningen definitiv gestorben. Wir müssen nach Oostende. Tagsüber schwankt der Wind, mal müssen wir unter Maschine fahren, dann können wir wieder segeln. Der für den Tag sagt Wind aus W – SW mit 4 – 5 Bft. voraus. Wir fahren also gegen Wind und Wellen – wir müssen kreuzen, alles ohne Großsegel.
Am Abend passieren wir Scheveningen, einen Vor-ort von Den Haag. So schön Nachtfahrten auch sind, jedoch bei Starkwind, hohen Wellen und ohne Groß wird es anstrengend. Gegen Mitternacht sind wir seit Borkum 220 sm gefahren.
© Joachim Vogt, 30.07.2017 Seite 8
7. Tag – Freitag 28.07.2017
Der Tag beginnt wie der gestrige aufgehört hat. Der Wind kommt weiterhin aus SW mit durch-schnittlich 25 Knoten. Vor Rotterdam müssen wir durch einen Korridor das VTG kreuzen. Zum Glück sind wenig Schiffe unterwegs.
Unsere Vorräte gehen so langsam zur Neige. Mit Strom müssen wir auch haushalten. Seit Cuxhaven haben wir keinen Landstrom mehr gehabt. Zwi-schendurch läuft die Maschine, um die Batterien aufzuladen.
Direkt nach einer Wende taucht eine Robbe aus dem Wasser auf – direkt im Kielwasser. Die schaute so blöd. Es scheint, als hätten wir sie aufgeweckt.
Der Wind steigert sich im Laufe des Tages auf bis zu 40 Knoten! Sturmstärke, die Richtung ist immer noch aus SW. Die Wellen gehen mittlerweile weit über die Reeling hinaus.
Zwei von uns sind ausgefallen – Seekrank. Im Salon liegen immer noch einige Scherben von den Tellern, die am frühen Morgen aus dem Schapp geflogen sind. Das Schiff kränkt so stark, ich bin dreimal von der Navi-Bank geflogen und quer durch den Salon gerutscht bin.
Die Batterien haben einen Punkt erreicht, an dem alle Verbraucher ausgeschaltet werden müssen. Jetzt heißt es, nicht mehr mit Tablett und Kartenplotter, sondern klassisch und nach Vorschrift manuell zu navigieren. Einmal geht der Schapp mit den Tellern wieder auf und es kommen einige Teller wie fliegende Untertassen auf mich zu.
Wir kommen einfach nicht vorwärts. Die Stimmung droht zu kippen. Oostende anzulaufen ist bei diesen Verhältnis-sen unmöglich. Also ist Zeebrugge das neue Ziel. Es liegen noch rund 15 Seemeilen bis zum Ziel vor uns. In den letzten vier Stunden haben wir insgesamt nur 6 sm Strecke zurückgelegt. Auch liegen mittlerweile die Abstände zwischen den Schlägen eng bei einander. Manchmal fahren wir sogar die gleiche Richtung zurück.
Wir diskutieren Alternativen zu Zeebrugge. Es bietet sich die Osterschelde an. Es sind nur 10 sm, die wir mit Raum-windkurs ansteuern könnten. Wir unterbreiten Andreas diesen Plan. Er lehnt ab. Als Begründung führt er an, dass bei 45 Knoten Wind es gefährlich ist, einen Hafen in Lee anzulaufen.
Unter Maschine zu laufen ist auch nicht möglich. Zum einen kommen wir bei dem Wind von vorn nicht auf eine vernünftige Geschwindigkeit, zum anderen wird durch die hohe Welle die Motorschmierung nicht mehr gewähr-leistet. Also weiter unter Segeln ist Richtung Zeebrugge kreuzen.
Am späten Abend, kurz nach Sonnenuntergang hat der Wind nachgelassen und wir starten den Motor. Mit zwei bis maximal drei Knoten Fahrt über Grund fahren wir unter Maschine.
© Joachim Vogt, 30.07.2017 Seite 9
© Joachim Vogt, 30.07.2017 Seite 10
8. Tag – Samstag, 29.07.2017
Um Mittnacht haben wir seit Borkum rund 350 Seemeilen nonstop zurückgelegt. Zeebrugge will nicht näherkommen. Caro und Richard haben sich hingelegt. An-dreas ist noch unentschlossen, legt sich dann aber doch hin, um für die Einfahrt „ausgeruht“ zu sein.
Kurz vor der Einfahrt sind Andreas und Richard wieder mit von der Partie. Die Strömung ist so stark, wir treiben quer zur Fahrt-richtung mit Vollgas durch die Hafeneinfahrt. Der Hafen ist verwinkelt und der Yachthafen liegt ganz hinten im Hafen von Zeebrugge.
Um 0545, nach 74 Stunden auf See und insgesamt 558 Seemeilen seit Hamburg sind wir endlich fest am Steg. Jetzt noch den obligatorischen Anlegeschluck und dann ab in die Koje.
© Joachim Vogt, 30.07.2017 Seite 11
Um 0800 geht es weiter. Endlich duschen und das Salz der Nordsee abwaschen. Nach einem ausgiebigen Frühstück packen wir zusammen, putzen das Schiff und kehren die letzten Scherben vom Vortag zusammen.
Es regnet stark, als wir gegen 1130 das Schiff verlassen und jeder in Richtung Heimat abzieht.
© Joachim Vogt, 30.07.2017 Seite 12
Verlauf:
Datum
von
über
nach
Seemeilen
Segel
Motor
Gesamt
23.07.2017
Hamburg
Brunsbüttel
Cuxhaven
6
56
62
24.07.2017
Cuxhaven
Helgoland
0
36
36
25.07.2017
Helgoland
Borkum
80
14
96
26.07.2017
Borkum
27.07.2017
auf See
28.07.2017
auf See
29.07.2017
auf See
Zeebrugge
274
92
366
Gesamt
360
198
558