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Oostende-Hamburg

Ankunft Bahnhof Oostende. Das Skipperteam hatte es zutreffend beschrieben: Man tritt aus dem Bahnhof und steht praktisch schon in der Mercator-Marina. Die HERMES ist schnell gefunden und Skipper Uwe Grünert begrüßt die Crew, die schon bald fast komplett versammelt ist.
Der ‚Dienst' beginnt mit einem Großeinkauf im nahegelegenen Supermarkt. Auf dem Rückweg balancieren wir bei einsetzendem Regen mit vier Einkaufswagen über die Schwimmstege. Als der Proviant verstaut ist, ist aus sieben Individuen, die sich zuvor nie begegnet waren, bereits eine Crew geworden, die die vorsichtige Frage des Skippers, ob wir am nächsten Morgen um 05:00 Uhr auslaufen können, mit einem einstimmigen „Ja, das können wir!" beantwortet.
Zur Belohnung haben wir nach dem frühen Aufstehen viel Zeit für ein ausgiebiges Sonntags-Frühstück im Hafen: Die Schleuse öffnet nämlich – wie wir nun feststellen – an diesem Morgen erst um 07:15 Uhr das erste Mal. Damit geht es nun aber wirklich los.
Draußen nicht mehr als 3 kn Wind aus W – das heißt für uns: Für die nächsten paar Stunden bleibt der Motorkegel gesetzt. Die Moral leidet darunter jedoch nicht: Als der Skipper uns fragt, ob wir uns eine Nachtfahrt vorstellen können, um gleich bis Texel durchzufahren, gibt es nur eine Antwort: „Ja, das können wir!".
Und auch dieses Mal werden wir belohnt: Nachmittags frischt der Wind etwas auf und wir können endlich segeln. Nach dem Abendessen tritt dann der vom Skipper sorgfältig ausgetüftelte Wachplan in Kraft. Für einige von uns ist es die erste Nacht auf See, aber genau das wollten wir ja auch.
Als wir schließlich vormittags in Texel Oudeschild festmachen, liegen seit dem Ablegen 139 Meilen und 29,5 Stunden hinter uns – und gute 24 Stunden im Hafen vor uns. Diese Freizeit gilt es zu nutzen: Schwimmen in der Nordsee, Rundfahrt mit dem spontan angemieteten ‚Tuk Tuk', Kaffetrinken an Bord mit Crepes frisch aus der Pfanne – und natürlich eine ausgiebige Dusche.
Unser nächster Schlag soll uns dann – so der einstimmige Beschluss – Nonstop bis Helgoland bringen. Zunächst durchs Wattenmeer und dann – zwischen Vlieland und Terschelling hinaus auf die offene Nordsee. Auch an diesem Tag müssen wir geraume Zeit motoren. Aber nach Dunkelwerden können wir dann wieder segeln – und zwar unter traumhaftem Sternhimmel, auf dem – es ist ja Anfang August – auch zahlreiche Sternschnuppen aufscheinen.
Am nächsten Nachmittag liegen wir dann gegen 15:30 Uhr im Päckchen im Helgoländer Hafen – 28 Stunden nach dem Auslaufen von Texel und mit 161 Meilen im Kielwasser. Das jetzt fällige Anleger-Bier müssen wir allerdings unangemessen hastig schlucken, denn ab 16 Uhr müssen alle Personen das Hafenareal wegen einer Bombenentschärfung verlassen.
Wir nutzen den erzwungenen Landgang für ein zweites – vom Skipper spendiertes! – Bier in gemütlicher Runde und gönnen uns dann auch ein leckeres Abendessen, das uns in einer Fischbräterei vorgesetzt wird. Bei der Gelegenheit lernen wir dann auch, wie man auf Helgoland Bratkartoffeln richtig bestellt.
Auch am folgenden Tag bleibt noch Zeit für einen ausgiebigen Landgang, sodass wir auch das Oberland erkunden können. Erst am Nachmittag laufen wir dann aus mit Ziel Cuxhaven, wo wir gegen 21 Uhr fest sind.
Am Freitag dann die letzte Etappe: Elbaufwärts bis Hamburg, City-Sportboothafen. Unterwegs üben wir uns in der Kunst, die nächste Tonne stets rechtzeitig in den Blick zu nehmen. Und natürlich beobachten wir den Schiffsverkehr, den Skipper Uwe kenntnisreich zu kommentieren weiß.
Das Einlaufen in den Hamburger Hafen bietet schließlich noch einmal ein besonderes Erlebnis. Abends dann unser Abschieds-Dinner zu Füßen des Michel. Bei Labskaus und anderen Leckereien klingen die erlebnisreichen Tage aus.
Mein Fazit: Es war eine herrliche Woche – mit dieser Crew wäre ich jederzeit gerne wieder unterwegs! Ein besonderes Dankeschön gebührt dabei unserem Skipper: Uwe Grünert ist nicht nur nautisch höchst kompetent, sondern weiß vor allem auch, wie man eine Crew führt, ohne sie zu gängeln. Klare Ansagen wo immer nötig, aber immer freundlich und ohne jedes laute Wort – besser kann man diesen Job einfach nicht machen!

Friedrich